Bindewald zählt zu den großen, traditionsreichen Mälzereien im Südwesten Deutschlands und bezieht ihre Braugerste überwiegend aus den fruchtbaren Anbaugebieten rund um die Standorte in Rheinland-Pfalz und Bayern. Die Kombination aus regionaler Rohstoffbasis, hoher Prozessqualität und einer breiten Produktpalette macht das Unternehmen für viele Brauereien attraktiv. Die Bindewald Mälzerei ist ein Familienbetrieb mit langer Tradition (seit 1871) und Standorten in Bischheim, Kirchheimbolanden und Wiesenttal – alle gelegen „inmitten eines der fruchtbarsten Getreideanbaugebiete Südwestdeutschlands“.

Einige Mitglieder der Brausportgruppe folgten pünktlich zum letzten Tag des „Dry January“ der Einladung zur Besichtigung des Standorts Bischheim und wurden mit einer spannenden, kurzweiligen und sehr informativen Führung belohnt. Michael Tropf – absoluter Fachmann auf seinem Gebiet – hat sich bereiterklärt, uns die Welt der Mälzerei näherzubringen.

Los ging es an der Warenannahme. Dort erfuhren wir, wie streng die Qualitätskontrollen der angelieferten Gerste sind und welche Unterschiede im Korn später große Auswirkungen auf den Brauprozess haben können. Besonders interessant wurde es im Labor: Hier wurde schnell klar, was diese sorgfältige Arbeit für große Brauereien – und vor allem für uns Hobbybrauer – bedeutet. Nämlich stabile Qualität, weniger Schwankungen und eine verlässliche Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe.

     

Bevor aus Gerste überhaupt Malz werden kann, beginnt ihre Reise an einem Ort, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – dem Weichhaus. Doch hier passiert Magisches: Die trockenen Körner erwachen zum Leben. Im warmen, feuchten Klima des Weichhauses saugen sie gierig Wasser auf, quellen langsam auf und bereiten sich darauf vor, ihren inneren Schatz freizugeben.

     

Nach dem Weichen beginnt für die Gerste der vielleicht spannendste Abschnitt ihrer Verwandlung – die Tage in den Keimkästen. Wer hier hineinschaut, sieht keinen statischen Rohstoff, sondern ein Korn, das sich von Tag zu Tag sichtbar verändert. Am ersten Tag wirkt es noch unscheinbar, fast so, als würde es sich von der Feuchtigkeit erholen. Doch schon am nächsten Morgen zeigt sich Leben: Die Körner atmen, erwärmen sich, beginnen zu wachsen. Ein feiner Wurzelbart schiebt sich hervor, der Keimling streckt sich, und mit jedem weiteren Tag wird deutlicher, wie aus einem einfachen Gerstenkorn ein hochaktiver, enzymreicher Braurohstoff entsteht.

     

Für uns Hobbybrauer war es faszinierend, die verschiedenen Keimkästen zu sehen – wie ein Zeitraffer in mehreren Etappen. Vom frisch angekeimten Korn bis hin zum voll entwickelten Malz konnte man die Entwicklung auch geschmacklich testen. Jeder Kasten erzählte eine andere Phase dieser kleinen, aber entscheidenden Verwandlung, die später über Geschmack, Farbe und Qualität des Bieres mitbestimmt.

     

Nach den feuchten, kühlen Bereichen der Mälzerei führte uns der Weg zum Darren, ein bisschen so, als würden wir in eine Sauna für Gerstenkörner eintreten. Schon beim Öffnen der Tür schlug uns eine „kuschelige“ Wärme, etwas über 40°C, entgegen – ein Glück, denn normalerweise herrschen hier Temperaturen, die jenseits der 100 °C liegen.

Hier wird das zuvor angekeimte Malz behutsam getrocknet, Schicht für Schicht, Stunde um Stunde. Die Hitze stoppt das Wachstum, konzentriert die Aromen und legt den Grundstein für die Farbe und den Charakter des späteren Bieres.

Mit vielen neuen Eindrücken, dem Duft von Malz noch in der Nase verabschiedeten wir uns mit dem guten Gefühl, nun zu wissen, wo unsere Gerste herkommt, wie wichtig kurze Wege und transparente Lieferketten sind und welch beeindruckende Vielfalt an Basismalzen, Spezial- und Aromamalzen, Röstmalzmehlen, Malzflocken und Malzschroten hier entsteht. Ein Besuch, der uns Hobbybrauer wirklich bereichert hat – vielen Dank für die kompetente Begleitung.

     

Den gemütlichen Abschluss fanden wir schließlich bei Pfalz Malz – in einer kleinen, fröhlichen Runde und natürlich mit unserem selbstgebrauten Bier, das nach all den Eindrücken gleich noch besser schmeckte.

Vielen Dank an Michael für die tolle Führung durch die Bindewald Mälzerei und an Dominik, dass wir nochmal bei PfalzMalz einkehren konnten.

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