Ein Sud, acht Varianten und jede Menge Erkenntnisse: Am Vatertag 2026 wurde bei der Brausportgruppe Rhein-Main e.V. gemeinsam gebraut, experimentiert, verkostet und natürlich auch das ein oder andere Bier getrunken.
Die Idee kam recht spontan und war zunächst ganz einfach: Gemeinsam wollten wir bei Chris im Hof rund 80 Liter Bier brauen – ein Festbier sollte es werden. Doch wie das beim Hobbybrauen so ist, entstehen bei der Abstimmung des Rezeptes schnell weitere Ideen. Statt den gesamten Sud identisch zu vergären, kam der Gedanke auf, den Sud aufzuteilen und verschiedene Fermentationsparameter miteinander zu vergleichen.

Gesagt, getan: Aus dem gemeinsamen Sud wurden acht gleich große Anteile, die anschließend unter unterschiedlichen Bedingungen vergoren wurden. So konnten wir untersuchen, welchen Einfluss Hefestamm, Hefeform und vor allem die Gärtemperatur auf das fertige Bier haben.
Ein gemeinsamer Brautag am Vatertag
Am 14. Mai 2026 wurde zunächst die gemeinsame Grundlage für alle späteren Varianten geschaffen.
Gebraut wurde mit einem Wasserprofil aus 50 % Biebricher und 50 % Osmosewasser. Die Schüttung bestand aus 80 % Pilsner Malz und 20 % Wiener Malz. Der Maischplan führte über Rasten bei 55 °C, 63 °C, 67 °C und 72 °C.
Auch beim Hopfen blieb die Basis für alle Varianten gleich: Zum Einsatz kamen Polaris, Perle und Erebus. Der Sud wurde mit einer Stammwürze von 13,3 °P und einer Bittere von 27 IBU angesetzt. 1/4 der Würze hat allerdings auch noch eine Whirlpool-Hopfung mit etwa 3,5 g/l Erebus bekommen.

Damit war die Ausgangslage für unser kleines Brauexperiment geschaffen: Ein gemeinsamer Sud, möglichst identische Ausgangsbedingungen – und anschließend acht unterschiedliche Wege durch die Gärung.
Acht Varianten – ein Sud
Nach dem Aufteilen wurde es interessant. Die acht Teilmengen wurden mit unterschiedlichen Hefen und bei unterschiedlichen Temperaturen vergoren. Dadurch konnten wir unter anderem klassische untergärige Varianten mit unterschiedlichen Hefen und Temperaturen vergleichen, aber auch obergärige Ansätze sowie einen thiolisierten Hefestamm.
Zur Erläuterung der Varianten: KKR bedeutet (Hefe aus der KuehnKunzRosen Brauerei). Mit „kalt“ ist 8-10°C (bis 12°C im spätere Gärverlauf) gemeint. Mit „warm“ 16°C bis Raumtemperatur.
Die Varianten im Überblick:
| Variante | Hefe | Hefeart | Gärführung | Besonderheit | Restextrakt | pH-Wert |
| #8 | S-23 | Trockenhefe | kalt | – | 2,4 °P | 4,59 |
| #3 | W34/70 | Trockenhefe | kalt | – | 2,8 °P | 4,64 |
| #1 | W34/70 KKR | Erntehefe | kalt | – | 2,5 °P | 4,76 |
| #2 | W34/70 KKR | Erntehefe | warm | – | 2,4 °P | 4,76 |
| #7 | Nova Lager | Trockenhefe | warm | – | 2,5 °P | 4,54 |
| #4 | US-05 | Trockenhefe | warm | – | 2,3 °P | 4,11 |
| #6 | WHC Sweet Release | Erntehefe | warm | Whirlpool mit Erebus | 3,8 °P | 4,63 |
| #5 | W34/70 KKR | Erntehefe | kalt | Whirlpool mit Erebus | 2,7 °P | 4,92 |
Blindverkostung im Vereinsheim
Als alle Varianten fertig vergoren und bereit für die Verkostung waren, kam der zweite große Teil unseres Experiments.
Im Vereinsheim trafen wir uns mit allen Mitgliedern, die Lust hatten, die Ergebnisse gemeinsam zu probieren. Dabei wollten wir nicht einfach nur acht Biere nebeneinanderstellen und sagen, welches Bier mit welcher Hefe vergoren worden war.
Stattdessen machten wir daraus eine kleine Blindverkostung mit Überraschungseffekt.
Zunächst wurde nur eine Variante vorgestellt. Anschließend kam nach und nach jeweils ein weiteres unbekanntes Bier dazu. Die Teilnehmer konnten die verschiedenen Biere direkt miteinander vergleichen und überlegen:
Was fällt auf?
Schmeckt dieses Bier anders als das vorherige?
Welche Hefe könnte dahinterstecken?
Wurde ein spezieller Parameter verändert?
Damit wurde die Verkostung gleichzeitig zu einem kleinen sensorischen Experiment. Die Teilnehmer wussten nicht, welche Stellschraube gerade verändert worden war, und konnten sich deshalb ganz auf das konzentrieren, was tatsächlich im Glas zu erkennen und zu schmecken war.
Die Reihenfolge der Verkostung war so gewählt, dass sich immer möglichst wenige Aspekte auf einmal ändern. Leider ist der spannende Teil mit der NovaLager nicht bewertbar gewesen, da es einen massiven Oxidiationschaden gab – MezzoMix :-).

Nicht nur der Geschmack zählt
Neben der sensorischen Verkostung haben wir uns die Biere auch analytisch genauer angeschaut.
Für jede Variante wurden unter anderem Restextrakt und pH-Wert bestimmt. Damit konnten wir die sensorischen Eindrücke aus der Verkostung um objektive Messwerte ergänzen.
Dabei zeigten sich durchaus Unterschiede. Der gemessene Restextrakt reichte beispielsweise von 2,3 °P bei Variante #4 bis 3,8 °P bei Variante #6. Auch beim pH-Wert gab es eine deutliche Bandbreite: Die Werte lagen zwischen pH 4,11 bei Variante #4 und pH 4,92 bei Variante #5, wobei das wirkliche Ausreißer waren. Sehr überraschend war der tiefe pH-Sturz des US05, der nicht erwartungsgemäß war und sensorisch eindeutig wahrnehmbar.

Und welches Bier war nun das beste?
Bei einem solchen Experiment ist die Antwort gar nicht so einfach. Schließlich ging es uns nicht darum, einen eindeutigen Sieger zu küren. Viel spannender war die Frage, wie deutlich sich die verschiedenen Varianten voneinander unterscheiden und ob sich die Unterschiede tatsächlich sensorisch erkennen lassen.
Und genau dafür war unser Split-Sud ideal: Alle Biere hatten dieselbe gemeinsame Grundlage, wurden aber anschließend unter unterschiedlichen Bedingungen vergoren. Dadurch konnten wir Unterschiede in Hefe, Temperatur und weiteren Parametern direkt miteinander vergleichen.
Sehr eindrucksvoll war zum Beispiel, wie extrem unsauber und phenolisch die warm vergorene KKR Erntehefe ggü kalt geführt war. Natürlich hat man das Ergebnis erwartet, aber so als A/B Vergleich aus der gleichen Würze ist ein besonderes Erlebnis. Weiterhin war der erwähnte niedrige pH Wert bei der US05 interessant und was die WHC Sweet Release aus dem Bier mit Whirlpoolhopfung gemacht hat. Die Thiolized Hefe hat letztendlich zu einem Bier geführt, welche geschmacklich nach einer fancy Hopfenweisse mit belgischem Einschlag geschmeckt hat.
In Summe hatte aus der Lager-Sicht wohl die 34/70 kalt vergoren die Nase vorn. Sowohl die Variante KKR Erntehefe, als auch Trockenhefe, sind sehr gute Bier geworden. Die Trockenhefe hat in erster Führung klassisch einen etwas niedrigeren sEVG, aber hatte dafür einen Tick mehr Malzigkeit im Profil. Die Erntehefe hat das Bier noch etwas schlanker und cleaner hinbekommen.
Ein gelungenes Experiment
Nach so viel Verkostung, Diskussion und fachlichem Austausch durfte natürlich auch der gemütliche Teil nicht fehlen. Den Abend ließen wir gemeinsam bei Pizza und weiteren Bieren ausklingen.
Unser Vatertags-Splitsud hat damit genau das verbunden, was das Vereinsbrauen für uns ausmacht: gemeinsam brauen, Dinge ausprobieren, Wissen austauschen, Bier mit allen Sinnen erleben – und dabei einen schönen Abend miteinander verbringen.
Aus einem einzigen Sud sind acht unterschiedliche Biere entstanden. Und mindestens genauso wichtig wie die Ergebnisse im Glas waren die Gespräche und Erkenntnisse, die wir dabei gesammelt haben.
Wir freuen uns schon auf das nächste Experiment!

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